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Reise nach Kabul 2016

Am 15. Oktober 2016 flog der Obmann des afghanischen Kulturvereins AKIS Herr Ghousuddin Mir nach Kabul, um das Projekt „Sichtschutz für die Mädchenschule Bibi Sarwari Sangari“ zu organisieren.

Zur Lage in Afghanistan

Schon am Flughafen sieht man, dass es zwei Arten von Reisenden gibt.

Die einen kommen an und fahren mit kugelsicheren Autos mit verdunkelten Scheiben Richtung Wohnresidenz. Diese wohnen bei Diplomatenfamilien in entsprechenden Reichenviertel, die von Elend und Armut abgeschottet und gut bewacht sind. Sie leben in einer Gegend, in der die Familien der Generäle und Politiker hausen. Diese Reisenden sehen nicht, wie schlecht es dem Volk geht. Sie sehen nur den Reichtum und Wohlstand der sogenannten „Elite“ des Landes, die das ganze Geld unter sich teilt und die Bevölkerung leer ausgehen lässt.

Die anderen Reisenden begeben sich in Gefahr und halten sich unter dem normalen Volk auf.  Weder fahren sie in gepanzerten Autos, umgeben von Bodyguards, noch bewohnen sie teure Luxusresidenzen, weit abgeschottet vom Elend der Bevölkerung. Zu diesen gehört der Obmann des afghanischen Kulturvereins Herr Ghousuddin Mir.

 

  1. Tag

Herr Mir verlor bei seiner Ankunft keine Zeit und ohne zu rasten traf er sich mit einem Vertreter des Bundeskanzleramtes Herrn San Tscharki (Berater von Abdullah Abdullah). Ihm gegenüber erläuterte unser Obmann die Situation und Schwierigkeiten der Afghanen in Europa und die Wichtigkeit der Sicherheitslage in Kabul und Afghanistan als ganzes.

Herr Tscharki klärte Herrn Mir über die allgemeine politische Lage Kabuls auf und versprach Zusammenarbeit hinsichtlich der Flüchlingsproblematik.

 

  1. Tag

Herr Mir traf sich am folgenden Tag mit der Hilfsorganisation „Kabul Servitors Institution“. Dort wurde er vom Vereinspräsidenten Herrn Bashir Ahmad Bezhan, seinem Vertreter und 60 anderen Vorstandsmitgliedern getroffen.

Herr Mir wurde für seine ehrenamtliche Arbeit zur Unterstützung der Bedürftigen und Kindern, sowie Jugendlichen gelobt. Es wurde einstimmig beschlossen, dass Herr Mir in den Ehrenvorstand des Vereins aufgenommen wird und als Vertreter des Vereins in Europa fungiert.

Der Vorstand hat Herrn Mir über die aktuelle Situation in Afghanistan informiert. Große Bedenken hat die Organisation wegen der Beschäftigungslosigkeit der Jugend und der schlechten Sicherheitslage. Der Verein teilte mit, dass wenn man wirklich den Flüchtlingsstrom unterbinden möchte, man den Jugendlichen Bildungs- und Jobmöglichkeiten bieten muss.

 

  1. Tag

Am nächsten Tag traf sich Herr Mir mit einem Vertreter des Präsidentenamtes Herrn Ahmad Zia Masud. Wie Herr San Tscharki, Vertreter des Kanzleramtes, war auch er nicht zufrieden mit der politischen Situation und der Regierung in Afghanistan. Er hat große Sorgen um die Zukunft des Landes. Aus seinen Worten konnte man herauslesen, dass der Nepotismus in allen Ecken und Kanten der Regierung und der Ämter durchgedrungen ist. Man wird nicht mehr angestellt, wenn man eine gute Bildung oder entsprechende Qualifikation hat, sondern je nachdem mit wem man verwandt oder bekannt ist. Die Politiker und Generäle versuchen ihre Familien- oder Stammmitglieder in die Ämter einzuschleusen bzw. Geld für diese abzuzweigen. Die Bevölkerung geht hierbei völlig leer aus. Millionen von arbeitslosen Jugendlichen sind dadurch drei Optionen unausweichlich gegenübergestellt. Entweder die Flucht nach Europa, wo einem Arbeits-, sowie Bildungschancen erwartet, oder sich der unterbezahlten und schlecht ausgerüsteten Armee bzw. der Polizei anzuschließen. Als dritte Wahl bleibt nur sich den radikalen Mächten im Land, wie Taliban oder Daesch, die gut bezahlen und entsprechend ausgerüstet sind, anzuschließen. Herr Masud willigte ein mit uns zusammenzuarbeiten und mit dem Obmann in Kontakt zu bleiben.

Während der Reise in Kabul hat Herr Mir sich intensivst mit dem afghanischen Flüchtlingsministerium, Parlamentariern anderen Regierungsmitgliedern getroffen.

Alle haben ihre Sorgen und ihre bedenken um die Zukunft und Sicherheit Afghanistans mitgeteilt.

Allgemein ist es schwer für die arme Bevölkerung Afghanistans. Es bricht nun der Winter ein. Viele haben keine Möglichkeit ihr zu Hause zu wärmen und für ihre Familie warme Kleidung zu kaufen.

Herr Mir hat mit verschieden TV Sendern und Organisationen gesprochen. Alle sagen, dass wen man den Flüchtlingsstrom abschneiden möchte, man die Sicherheitslage verbessern und den Kindern und Jugendlichen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten muss. Auch die Lage der Frauen zu verbessern war ein wichtiges Thema in den Gesprächen.

Zusammenfassend kann man fünf Punkte auflisten, die zu beheben sind, um die massive Auswanderung aus Afghanistan zu beenden

  1. Die Sicherheitslage verbessern – insbesondere soll die Rekrutierung von Terroristen in Pakistan unterbunden werden und der Rückzug in das Nachbarland abgeschnitten werden
  2. Den Nepotismus beenden – Es soll für alle Bevölkerungsschichten, egal welcher Stammesangehörigkeit, die gleiche Chance geben, ein Amt zu bekleiden
  3. Kindern und Jugendlichen Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten
  4. Infrastruktur Afghanistans ausbauen
  5. Über die Schwierigkeiten der Flüchtlinge in Europa informieren

 

Das Projekt „Sichtschutz für Mädchenschule“

Dank der großartigen Unterstützung von „Jugend eine Welt“ konnten der Verein AKIS einen Ansatz in Richtung Hilfe für Kinder setzen.

Die Schulmädchen in der Bibi Sarwari Sangari Schule trauten sich am Sportplatz nicht zu turnen. Viele männliche Jugendliche blickten über den Wall, um das andere Geschlecht beim Sport zu beobachten und unangemessene Zurufe zu tätigen. Die Lehrerinnen beklagten darüber, dass keines der Mädchen ihr sportliches Talent entfalten kann, wen nicht am Sportplatz geturnt wird.

Mit der Hilfe von „Jugend eine Welt“ konnte der afghanischen Kulturverein AKIS einen Sichtschutz errichten.

Nachdem der Bau fertig war, bedurfte es nicht die Mädchen zum Sport aufzurufen. Unaufgefordert liefen die Kinder und Jugendlichen auf den Sportplatz und fingen an Basket- und Volleyball zu spielen.

Zusätzlich habe ich von meinem eigenen Budget und dem einiger privater Sponsoren für 54 arme Kinder Schulmaterial gekauft.

Tausende Schulkinder sind auf Herrn Mir zugelaufen. Manche riefen Onkel, manche Vater und manche Lehrer. Sie alle bedankten sich für die Unterstützung. Herr Mir war überglücklich, sodass ihm sogar die Tränen kamen.

Von Seiten der Schulleitung wurden zwei Bitten geäußert.

Ungefähr 800 Kinder haben keine Tische und Sessel und müssen am Boden sitzend dem Unterricht folgen. Es gibt zwar Klassen aber keine Möbel. Die Schule bittet um Unterstützung beim Kauf von Tischen und Sesseln.

Weiters können an regnerischen Tagen keine sportlichen Aktivitäten ausgeübt werden, da die Räumlichkeiten fehlen. Es wurde gebeten, dass eine Turnhalle gebaut wird, damit die Kinder auch im Winter und an regnerischen Tagen Sport ausüben können.

Die Direktorin hat einen besonderen Dank an „Jugend eine Welt“ und an den afghanischen Kulturverein AKIS, Herrn Mir Ghousuddin gerichtet und um weitere Unterstützung zu den jeweils genannten Punkten gebeten.

 

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