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Europa ist nicht nur …

 


Europa ist nicht nur weiß
Millionen von Menschen zieht es nach Europa. Es lockt die Vorstellung von Wohlstand und Sicherheit.
Bei politischen Flüchtlingen ist das anders. Sie flüchteten, um ihr Leben zu schützen. Fünf Neu-Europäer
erzählen, warum sie nach Europa kamen und wie sie ihre neue Heimat sehen.

Margarete Endl
Astrid Kasparek

Sie ertrinken. Sie ersticken.
Auf ihrem Weg in das Traumland Europa gehen viele Menschen jedes Risiko ein. Und das
ist hoch, seit sich Europa zur Festung ausgebaut hat. Jedes Jahr ertrinken Tausende Menschen im Mittelmeer, wenn ihr Boot zwischen Afrika und der italienischen Insel Lampedusa, dem südlichsten Punkt Europas, kentert. Immer wieder ersticken Menschen, wenn sie sich von Schleppern als Lastgut in Lkws über die Grenzen bringen lassen.
Nicht jede Flucht ist so dramatisch.
Die Gründe, in Europa eine neue Heimat zu suchen, sind es oft schon. Sei es, weil sich Menschen aufgrund von Armut nicht mehr ernähren können, weil ein Krieg das nackte Überleben gefährdet, weil sie aus politischen, religiösen, ethnischen oder sonstigen Gründen bedroht werden. Menschen, die in Österreich Asyl erhielten oder sich aus anderen Gründen für ein Leben in Österreich entschieden haben, reflektieren ihr Bild von Europa.

Simon Inou, Journalist „Die Berggasse kannte ich aus dem Geschichtsunterricht“, sagt Simon Inou. „Sigmund Freud, Berggasse, die Hofburg- Familie, Schönbrunn – lauter barbarische Namen, die wir in der Schule nicht verstanden.“
Er hatte, so wie alle Schüler in Kamerun, intensiv europäische Geschichte gelernt. Und gerätselt, wie sich Schnee anfühlt.
Doch es war nie sein Traum, nach Europa zu gehen. Er wollte gegen die Diktatur, die Korruption in Kamerun anschreiben.
Er war Journalist, hatte bereits eine Zeitschrift für junge Leute gegründet. Als er zu einem Journalistenkongress nach Graz eingeladen wurde, sagte er seiner Mutter, er würde in zwei Wochen wieder zurück sein. Das war vor 13 Jahren. Während der Konferenz erfuhr er, dass er nach der Rückkehr wegen seines Engagements für Minderheiten und Umweltschutz verhaftet werden würde. Journalisten in Graz rieten ihm, um politisches Asyl anzusuchen.
„Asyl, was ist das?“, fragte er.
Das Innenministerium, damals von Caspar Einem geleitet, prüfte den Fall und erkannte Inou nach relativ kurzer Zeit als Flüchtling an. Er könnte längst die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Aber: „Ich bin immer noch ein Flüchtling.
Ich bin noch nicht bereit, Österreicher zu sein. Da habe ich ein Identitätsproblem.“ Seine wahre Identität hängt sowieso nicht an einer Nationalität, sondern an einem Beruf.
„Ich will schreiben. Ich will mich engagieren. Das mache ich nicht aus Karrieregründen, sondern von Herzen.“ In Kamerun hätte er gegen die politischen Zustände angeschrieben und wahrscheinlich öfters sein Leben riskiert. In Österreich hat Inou die rassistische, oberflächliche oder unsensible Berichterstattung über Afrikaner in österreichischen Medien aufgedeckt. Etwa, wenn Medien Afrikaner pauschal mit Drogendealern gleichsetzen.

 

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